Verfasst von: burgdoerfer | 11. August 2008

„Schaut endlich hin!“

Immigranten haben es schwer. Besonders die jungen unter ihnen haben Probleme sich zu integrieren. Margalith Kleijwegt erforscht in ihrem Buch „Schaut endlich hin!“ Ursachen und Konsequenzen fehlgeschlagener Integration. Beim Jugendkongress 2008 sitzt die Autorin in Workshop VI – „Gewalt auf dem Campus und dem Schulhof – Die streitbare Demokratie in einem ‚Kampf der Werte’?“.

 

Von Ana Volkland

 

Über ein Jahr lang begleitete die Autorin die Klasse 2K des Calvijn met Junior Colleges, eine von vielen so genannten „schwarzen Schulen“ in Amsterdam West. Hier prägen überwiegend Kinder aus Migrantenfamilien das Schulbild. Offen und unverblümt schildert Kleijwegt den desolaten Alltag der Kinder und Jugendlichen aus dem Bezirk, der früher von kinderreichen niederländischen Familien bewohnt war. Über die letzten 30 Jahre haben sich dort überwiegend Familien mit muslimischem Hintergrund niedergelassen.

 

Zuletzt machte Amsterdam West durch Mohammed Bouyeri auf sich aufmerksam. Am 2. November 2004 erstach der junge Fundamentalist den Filmemacher Theo van Gogh auf offener Straße.

 

Wie so viele Schüler einer solchen „Ghettoschule“ sind auch die der 2K oftmals uninteressiert, sitzen ihre Zeit ab oder verbringen diese damit das Klassenklima negativ zu beeinflussen. Sie wissen nichts mit sich anzufangen und machen eine normale Unterrichtsgestaltung im klassischen Sinne nahezu unmöglich.

 

Weit über den Tellerrand der schul- und klasseninternen Probleme hinaus begab sich Kleijwegt aber auch in die Familien. Sie redete mit Kindern, Geschwistern und Eltern, auch wenn sie bei ihrem Blick hinter die Kulissen auf so manches Hindernis stieß. Mit ihren Erlebnissen und Schilderungen offenbart sie dem Leser eine Welt, die er auf andere Weise wohl kaum wahrzunehmen und zu verstehen mag, da sie oft von Klischees verdeckt wird und schwer zu durchschauen ist. Engagiert und interessiert setzt sich Kleijwegt nicht nur mit dem politischen Thema, sondern auch mit den betroffenen Menschen auseinander. Sie stellt fest, dass die Probleme junger Immigranten entstehen konnten, da die Probleme ihrer Elterngeneration nicht gelöst wurden.

 

Die Kinder befinden sich in einer oftmals aussichtslosen Lage ihre Zukunft betreffend, sind hin- und her gerissen zwischen der Tradition in den eigenen vier Wänden und der Schule, die ihnen europäische Regeln und Werte vermitteln möchte. In den meisten Fällen lassen sie die Schule schleifen, kommen auf Abwege und flüchten sich in ihre Religion. Im extremen Fall von Mohammed Bouyeri führte dies zum Mord an einem Mann, der es wagte, die Unterdrückung der Frau im Islam zu kritisieren.

 

Kleijwegts Buch ist eine empfehlenswerte Lektüre, ein Tagebuch aus dem wirklichen Leben. Wer das Thema Integration verstehen will, sollte sie lesen.

 

Margalith Kleijwegt: „Schaut endlich hin!“ Ein Bericht aus der Welt junger Immigranten, Herder Verlag, ca. 17 Euro

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