Verfasst von: Redaktion | 31. Oktober 2008

„Schaut doch mal ins Internet!“

Bei der Podiumsdiskussion  „Wehrhafte Demokratie heute?“ wurde nichts beschönigt. Temperamentvoll debattierten unter der Leitung von Dr. Peter Frey vom ZDF der Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, Armin Laschet, NRW-Minister für Generation, Familie und Integration, die ehemalige Fußballnationalspielerin Steffi Jones und Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, über Gefahren, Sicherheit und Zivilcourage in unserer Demokratie.

 

Von Hanka Pohontsch und Anna Christina Stefan

 

Inhaltlicher Schwerpunkt war dabei die Frage: Welches Verständnis von Demokratie haben wir und stehen wir für sie auch ein? Zu Beginn der Diskussion wurde eine Umfrage in Form eines kurzen Films gezeigt.

Bürger unterschiedlichen Alters wurden nach dem Begriff „Wehrhafte Demokratie“ befragt. Dabei stellte sich heraus, dass eher ältere Menschen mit dem Begriff etwas anzufangen wussten. Die meisten Jugendlichen hatten jedoch keine Vorstellung davon.

 

Innenminister Schäuble versuchte, das fehlende Wissen mit der deutschen Geschichte zu begründen: ,,Das Scheitern der Weimarer Republik, der Missbrauch der Demokratie und die NS-Zeit sind Gründe für diesen Begriff’’. Sogar Steffi Jones gestand am Anfang, dass sie sich unter ,,wehrhafte Demokratie’’ nichts vorstellen konnte und erstmal recherchieren musste. In einem Punkt waren sich alle Redner einig: Wehrhafte Demokratie beruht auf der gemeinsamen Geschichte und verpflichtet zur Verantwortung aller Bürger. Renate Künast ergänzte, dass ,,Zivilcourage’’ diesen Sachverhalt in unsere heutigen Zeit treffender ausdrückt.

 

Wehrhafte Demokratie? Der Begriff brachte auch Steffi Jones ins Grübeln (Foto: Odenahl, KAS).

 

Die Politiker appellierten vor allem an mehr Engagement und Interesse seitens der Jugend, da diese die Demokratie oft als zu selbstverständlich ansieht, denn wie Schäuble eindringlich betonte: „Der Staat sind wir alle.“ 

 

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen und nutzten diese intensiv. Johanna Kerboldt, 16, beschwerte sich in der Runde über mangelnde Information zum Thema Parteiprogramme: wenn morgen Bundestagswahlen wären würden die Schüler ihres Politikkurses nicht wählen gehen. Sie wüssten nicht, welche Partei. Darauf antwortete Frau Künast flapsig: „Dann schaut doch mal ins Internet.“ Auch die anderen Diskutanten waren ihrer Meinung. In einem Zeitalter der Medien ist es möglich sich ausreichend zu informieren.

 

Lösungsvorschläge zum Nichtwählen kamen von vielen Seiten. Einig sind sich alle, dass man mehr politisches Wissen in Schulen vermitteln muss und Schüler diese Informationen auch einfordern sollen. Von Seiten der Partei muss die Demokratie selbst für junges Wählertum schmackhaft gemacht werden, zum Beispiel durch attraktive Werbung und Veranstaltungen wie der heutige Jugendkongress.

 

Nach hitziger Diskussion über Links- und Rechtsextremismus schwirrte selbst dem umsichtigen Moderator Peter Frey der Kopf. „Sollte man die SPD verbieten?“ fragte er und erntete großes Gelächter. Gemeint war die NPD.

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