Verfasst von: Redaktion | 31. Oktober 2008

Demokratie im „Kampf der Werte“

„Gewalt auf dem Schulhof und dem Campus ist nun wirklich nichts Neues“ – diese Feststellung macht Thomas Kufen, Integrationsbeauftragter des Landes Nordrhein-Westfalen, gleich zu Beginn. Der Workshop „Gewalt auf dem Campus und dem Schulhof – die streitbare Demokratie in einem ‚Kampf der Werte'“ wird dennoch zu einer intensiven Diskussionsrunde.

Von Ana Volkland

Kufen bringt die Gewaltproblematik auf die Formel: „Arm schlägt zu“. Sozial schwacher Hintergrund plus Perspektivlosigkeit ergebe Gewalt. Als Antwort erhält der Integrationsbeauftragte ein kollektives Raunen aus der Teilnehmer-Menge. Nach einigen empörten Meldungen wird klar, dass jedem Anwesenden daran liegt, das Problem der Integration endlich zu verstehen, nicht mehr zu pauschalisieren und Lösungen zu erarbeiten.

Margalith Kleijwegt, Journalistin und Autorin, berichtet von ihren Erfahrungen während der Arbeit an ihrem journalistischen Buch „Schaut endlich hin“. Sie weist explizit darauf hin, dass der Originaltitel direkt übersetzt „Unsichtbare Eltern“ lautet. Die Menge wird hellhörig und man knüpft an Kleijwegts Hinweis an, dass ein wichtiger Teil zur gelingenden Integration in der Hand der Eltern liegt. Diese sollten mehr gestärkt und in das Schulgeschehen eingebunden werden.

„Man muss Schule einfach attraktiv machen“, so Bilkay Öney, Migrationspolitische Sprecherin der Abgeordnetenhausfraktion Bündnis90/Grüne. In diesem Punkt sind sich alle einig. Auch was die individuelle Förderung angeht, die bis dato noch auf sich warten lässt. Die Forderungen Öneys vor allen Dingen präventiv zu arbeiten findet Anklang: Die personelle, bessere Unterstützung der Schulen, der Einsatz von Sozialpädagogen, Antigewalt-Training und ähnliche Maßnahmen sollten eine gelingende Integration ermöglichen helfen und Gewalt vorbeugen. Auf die Frage einer Teilnehmerin, ob dieser durchaus attraktive Enthusiasmus nicht im Widerspruch zu den finanziellen Kürzungen im Bereich der Bildung liegt, geht allgemeines Kopfnicken durch den Saal. So ergänzt auch Kleijwegt: „Bildung kostet. Und wer das Geld nicht hat ist nicht oben mit dabei.“

Schulen attraktiver machen – aber wie? Bilkay Öney und Thomas Kufen diskutieren (Foto: Odenahl, KAS). 

 

Es entflammt eine heftige Debatte zum Deutschen Schulsystems und die Frage um die Abschaffung der Hauptschulen. Hier sind die Teilnehmer uneinig. Ein Gymnasiallehrer aus Köln spricht von entstandenen Parallelgesellschaften. Das Deutsche Schulsystem sei, um auf das Thema Demokratie zu verweisen, mehr als nur undemokratisch. Man könnte geradezu von einer Ghettoisierung durch die drei Schulformen sprechen. Hidayet Metin, Geschäftsführer des deutsch-türkischen Forums der CDU in Nordrhein-Westfalen, stimmt dieser Aussage zu und erläutert, dass diese Form der Imagebildung nicht förderlich für die Arbeit gegen Gewalt an Schulen sei.

Abschließend ergreift Kleijwegt noch einmal das Wort. „Ich bin sehr optimistisch, ich denke, man hat inzwischen die Komplexität des Themas Integration verstanden. Man muss einfach machen!“

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