Verfasst von: Redaktion | 31. Oktober 2008

Müssen wir dem Staat noch dienen?

Vor allem junge Männer fühlen sich durch die Wehrpflicht in ihrer Zukunftsplanung und Selbstbestimmung eingeschränkt. Der Konflikt ist bekannt: wie kann ein vom Staat ausgehender Eingriff in die Freiheit mit der Freiheit des Einzelnen einhergehen, die der Staat doch garantieren soll?

 

Von Maximilian Stein

 

Klarheit zu schaffen über Argumente für und gegen die Wehrpflicht war das Ziel des Workshops „Die Zukunft der Wehrpflicht“. Im Podium anwesend waren Andreas Weber, Vorsitzender der Jungen Union Niedersachsen, der jungliberale Bundesvorsitzende Johannes Vogel und Michael Clivot, stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, sowie der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt. Die Meinungen der Podiumsteilnehmer variierten vom Erhalt der Wehrpflicht, wie sie im Moment besteht, über eine Ausweitung zu einer Dienstpflicht bis hin zur Abschaffung.

 

Anfänglich fokussierte sich die Diskussion auf die Frage der Notwendigkeit eines Zwanges. Diese Frage beschäftigte auch das Publikum. „Freiheit und Pflicht, das ist doch ein Widerspruch“, wunderte sich Johanna, 16, gleich zu Beginn der Diskussion. Einig waren sich alle vier Referenten, dass junge Menschen dem Staat in Form von Dienst beim Bund oder sozialer Arbeit etwas zurückgeben sollten. Allerdings ging man von verschiedenen Gegebenheiten aus: Clivot und Vogel vertraten den Standpunkt, dass niemand zu einem  solchen Dienst gezwungen, sondern Alternativen wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) gefördert werden sollten. „Wo ein Wille ist, muss man nicht zwingen“, sagte Clivot.

 

„Wenn etwas Notwendiges nicht freiwillig getan wird, muss der Staat halt nachhelfen“, entgegnete Sebastian, 19, empört über die mangelnde Bereitschaft vieler Jugendlicher, sich für den Staat zu engagieren. Weber und Schmidt griffen seine Argumentation auf. Sie gingen davon aus, dass die Bereitschaft zu einem freiwilligen Dienst beim Bund oder im sozialen Bereich extrem zurückgeht. Deshalb sei der Zwang notwendig. Ebenfalls kontrovers diskutiert wurde die Konsequenz der Abschaffung der Wehrpflicht: Die Umwandlung der Bundeswehr zu einer Berufsarmee. In dieser Hinsicht angesprochen wurden vor allem Professionalitätsgrad, Transparenz und die Wandlung der Bedrohungslage in den letzten 18 Jahren seit dem Zerfall des Ostblocks.

 

Staatssekretär Christian Schmidt warnt vor einer Abschaffung der Wehrpflicht.

 

Eine Berufsarmee sei deutlich professioneller als eine Wehrpflichtigenarmee, wurde häufig von Seiten der Jungliberalen und Jungsozialisten behauptet. Außerdem sei die Notwendigkeit einer großen Zahl von Wehrfähigen mit Beendigung des Kalten Krieges hinfällig geworden. Zudem erforderten Herausforderungen wie die Terrorismusbekämpfung im nahen Osten eine flexible Armee, weshalb man dem Beispiel der anderen Nato-Länder folgen und eine Berufsarmee einrichten solle. Eine Armee von Berufssoldaten sei aber deutlich weniger transparent als eine Wehrpflichtigenarmee, sagte Schmidt. Die Berufsarmee sei von der Gesellschaft getrennt und somit nur schwer kontrollierbar. Der ebenfalls im Publikum anwesende Kommandeur der Rekrutenkompanie im Bereich Bonn behauptete sogar, dass die Bundeswehr eine Transparenz innehabe, von der andere Armeen nur träumen könnten.

 

Bei den Jugendlichen kam die Diskussion gut an, nicht zuletzt, weil alle gestellten Fragen in die Diskussion integriert und meist zufrieden stellend von den Diskutanten beantwortet werden konnten. Der Workshop fand sein Ende mit einer Warnung des Staassekretärs Schmidt: „Wenn die Wehrpflicht einmal weg ist, wird sie nur zu undemokratischen Preisen wieder zurückkommen“.

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