Verfasst von: Redaktion | 3. November 2008

„Keine Freiheit den Feinden der Freiheit“

Zum Abschluss des Jugendkongresses sind noch einmal alle Teilnehmer im großen Saal zusammengekommen. Nach einer detaillierten Vorstellung der Ergebnisse und Inhalte aus den Workshops ergreift Prof. Dr. Bernhard Vogel das Wort. Mit den teils warnenden, teils heiteren Anmerkungen des KAS-Vorsitzenden und ehemaligen Ministerpräsidenten geht der Jugendkongress zu Ende.

 

Von Philipp Schiffmann

 

Demokratie fängt bei dir selbst an: Teilnehmer lauschen den Worten des KAS-Vorsitzenden Vogel (Foto: Odenahl, KAS).

 

Unmittelbar nach den Präsentationen der Resultate begann Bernhard Vogel mit seinen Stellungnahmen. Terrorismus als Ideologie sei nur mit Ideen zu bekämpfen. Und zwar mit den positiven Ideen der Freiheit und der Demokratie. Diese hält der 75-Jährige auch generell für den Schlüssel zur Bekämpfung nicht nur von religiös motiviertem Terrorismus, sondern auch von politisch angetriebenem Extremismus. Die Demokratie der Weimarer Republik sei gescheitert, nicht weil sie zu frei war, sondern weil sie zu wenige Demokraten gehabt habe, gar zu viele Feinde. „Keine Freiheit den Feinden der Freiheit“, appelliert Vogel.

 

Die Demokratie sei aber auch die schwierigste aller Staatsformen, die unangenehmste und anstrengenste. Niemand werde als Demokrat geboren, jeder müsse Demokratie im Laufe des Lebens vielmehr erlernen, wie Fahrradfahren oder Lesen und Schreiben.

 

So begründet sich für den Workshop „Wird die deutsche Freiheit am Hindukusch verteidigt?“ auch der Auftrag der Bundesrepublik, in Krisenregionen wie Afghanistan unsere Demokratie diplomatisch, humanitär wie militärisch zu verteidigen und zu verbreiten. Im Kreis der Workshop-Moderatoren auf der Bühne lenkt Professor Vogel das Gespräch auf diejenigen, die eben diesen Auftrag durchführen sollen, den Soldaten.

 

Entgegen dem Credo des Workshops zur Wehrpflicht hält Vogel es für problemlos und nötig, Jugendliche einmal in ihrem Leben für einige Monate in den Dienst für die Gemeinschaft zu stellen, vor allem weil sie dabei noch auf Menschen unterschiedlicher Bildung und sozialer Herkunft treffen.

 

Mangelnde Auseinandersetzung mit Andersdenkenden hält Vogel generell für eines der Hauptprobleme aktueller politischer Diskussionen und der streitenden Parteien. Es sei zu hinterfragen, ob das anders denkende Gegenüber mit seiner Einschätzung des Sachverhalts nicht unter Umständen richtig liege. Eine solches Nachdenken über das eigene demokratische Verhalten zeichneten einen wahren Demokraten aus und seien unabdingbar. „Mir wird zu viel von den Radikalinskis gesprochen“, beanstandet Vogel. Wenn jeder auf sich achte und sein demokratisches Verhalten ständig aufs Neue hinterfragen würde, anstatt auf andere zu schauen und deren undemokratisches Verhalten anzuprangern, würden durch positives Vorleben von Demokratie schließlich radikale Kräfte an Bedeutung verlieren.

 

Mit diesem Fazit findet der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen die richtigen Worte, wie der reichliche Beifall am Ende der Diskussion beweist. Das „Get Together“ gibt im Anschluss Gelegenheit, Vogels Appell zu folgen und sich mit den Meinungen der anderen Teilnehmer auseinander zu setzen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: