Verfasst von: Redaktion | 31. Oktober 2008

„Demokratie ist nicht selbstverständlich“

Die Stimmung ist ausgelassen im Podiumssaal, die rund 400 angereisten Jugendlichen plaudern über dies und das, vielleicht auch schon über den Kongress. Doch spätestens als Hermann Gröhe, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin, die Eröffnungsrede beginnt, sind alle Gedanken auf das Motto des Jugendkongresses gerichtet: „Wehrhafte Demokratie – Dafür stehen wir ein“. Es ist ein gutes Motto, macht es doch bewusst, dass es in unserem Land etwas Wertvolles zu verteidigen gibt. Und jemanden, der es verteidigen muss.

Hermann Gröhe (rechts), Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, eröffnet den KAS-Jugendkongress 2008. Auf dem Podium (von rechts): Steffi Jones, Dr. Wolfgang Schäuble, Dr. Peter Frey, Renate Künast, Armin Laschet (Foto: Fresenius)

Das sieht Hermann Gröhe auch so. Er sagt: „Die Demokratie ist nicht selbstverständlich.“ Immer wieder betont er in seiner Rede, dass Demokratie ein Geschenk sei, ein „kostbares Gut“, das nicht nur gepflegt, sondern wenn notwendig auch verteidigt werden müsse. Zu schnell würden „leichtfertige Äußerungen“ getätigt und zu wenig sei man sich der Tatsache bewusst, dass Demokratie nicht nur Glück, sondern auch aktiven Handelns bedürfe. Nicht um das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Freiheit ins Wanken zu bringen, sondern aufgrund der Erfahrungen mit deutscher Geschichte sei unsere Demokratie wehrhaft und streitbar.

Allerdings braucht man dafür auch Bürger, die sich mit ihrer Demokratie auseinandersetzen und sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Ein kurzer Film zeigt, dass viele Jugendliche nicht einmal wissen, was „Wehrhafte Demokratie“ bedeutet. Die anwesenden wollen es besser machen: durch die Eröffnungsrede und den Film zum Nachdenken angeregt, erwarten jetzt alle die Podiumsdiskussion. Sie verspricht spannend zu werden, immerhin sitzen Wolfgang Schäuble und Renate Künast in der Runde. Und sie soll der Auftakt sein zu einem Tag, der neue Denkanstöße verspricht und vielleicht auch die eigene Rolle in einer Wehrhaften Demokratie erörtern kann. Wir sind gespannt.

Maximilian Stein

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Verfasst von: burgdoerfer | 11. August 2008

„Schaut endlich hin!“

Immigranten haben es schwer. Besonders die jungen unter ihnen haben Probleme sich zu integrieren. Margalith Kleijwegt erforscht in ihrem Buch „Schaut endlich hin!“ Ursachen und Konsequenzen fehlgeschlagener Integration. Beim Jugendkongress 2008 sitzt die Autorin in Workshop VI – „Gewalt auf dem Campus und dem Schulhof – Die streitbare Demokratie in einem ‚Kampf der Werte’?“.

 

Von Ana Volkland

 

Über ein Jahr lang begleitete die Autorin die Klasse 2K des Calvijn met Junior Colleges, eine von vielen so genannten „schwarzen Schulen“ in Amsterdam West. Hier prägen überwiegend Kinder aus Migrantenfamilien das Schulbild. Offen und unverblümt schildert Kleijwegt den desolaten Alltag der Kinder und Jugendlichen aus dem Bezirk, der früher von kinderreichen niederländischen Familien bewohnt war. Über die letzten 30 Jahre haben sich dort überwiegend Familien mit muslimischem Hintergrund niedergelassen.

 

Zuletzt machte Amsterdam West durch Mohammed Bouyeri auf sich aufmerksam. Am 2. November 2004 erstach der junge Fundamentalist den Filmemacher Theo van Gogh auf offener Straße.

 

Wie so viele Schüler einer solchen „Ghettoschule“ sind auch die der 2K oftmals uninteressiert, sitzen ihre Zeit ab oder verbringen diese damit das Klassenklima negativ zu beeinflussen. Sie wissen nichts mit sich anzufangen und machen eine normale Unterrichtsgestaltung im klassischen Sinne nahezu unmöglich.

 

Weit über den Tellerrand der schul- und klasseninternen Probleme hinaus begab sich Kleijwegt aber auch in die Familien. Sie redete mit Kindern, Geschwistern und Eltern, auch wenn sie bei ihrem Blick hinter die Kulissen auf so manches Hindernis stieß. Mit ihren Erlebnissen und Schilderungen offenbart sie dem Leser eine Welt, die er auf andere Weise wohl kaum wahrzunehmen und zu verstehen mag, da sie oft von Klischees verdeckt wird und schwer zu durchschauen ist. Engagiert und interessiert setzt sich Kleijwegt nicht nur mit dem politischen Thema, sondern auch mit den betroffenen Menschen auseinander. Sie stellt fest, dass die Probleme junger Immigranten entstehen konnten, da die Probleme ihrer Elterngeneration nicht gelöst wurden.

 

Die Kinder befinden sich in einer oftmals aussichtslosen Lage ihre Zukunft betreffend, sind hin- und her gerissen zwischen der Tradition in den eigenen vier Wänden und der Schule, die ihnen europäische Regeln und Werte vermitteln möchte. In den meisten Fällen lassen sie die Schule schleifen, kommen auf Abwege und flüchten sich in ihre Religion. Im extremen Fall von Mohammed Bouyeri führte dies zum Mord an einem Mann, der es wagte, die Unterdrückung der Frau im Islam zu kritisieren.

 

Kleijwegts Buch ist eine empfehlenswerte Lektüre, ein Tagebuch aus dem wirklichen Leben. Wer das Thema Integration verstehen will, sollte sie lesen.

 

Margalith Kleijwegt: „Schaut endlich hin!“ Ein Bericht aus der Welt junger Immigranten, Herder Verlag, ca. 17 Euro

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